Die Egilssaga
An neun historischen Orten der Egill-Saga sind Steinmale* errichtet worden. Dort wird mit einer Übersichtskarte und einem Text, in dem die Geschehnisse kurz erläutert werden, auf die Saga hingewiesen.
*Steinmale (vörður) sind aus Steinen aufgeschichtete, ca. 60 – 180 cm hohe Kegel, wie sie schon in germanischer Zeit als Wegmarkierungen dienten.
Die Egill-Saga zum Anfassen
In Borgarfjörður und Mýrar sind an neun historischen Orten der Egill-Saga neue Steinmale errichtet worden, um die Durchreisenden auf die Geschichte, die die Landschaft birgt, aufmerksam zu machen. Da es auf Borgarnes noch mehr Plätze gibt, die in der Saga vorkommen, sollen in Zukunft noch weitere Steinmale dazukommen.
Anlässlich der Einweihung der ersten neun Steinmale wurde ein Faltblatt herausgegeben, in dem die Saga von Egill in Kürze erzählt und in dem erläutert wird, was sich an den neun Orten zugetragen hat. Das Faltblatt ist im Reise- und Informationszentrum Brúartorg von Borgarnes erhältlich.
Die Egill-Saga gehört zu den beliebtesten isländischen Sagas. Egill Skalla-Grímsson, (Egill, Sohn des Skalla-Grímur) war der größte Dichter der sogenannten "Saga-Zeit", vom 9. bis zum 13. Jahrhundert. Er fuhr als Wikinger auf Entdeckungsfahrten und Raubzüge in fremde Länder. In Island war er Gode (heidnischer Priester und Bezirkshäuptling) im Bezirk Mýrar und Borgarfjörður, dem Siedlungsgebiet seines Vaters Skalla-Grímur ("Glatzen-Grímur").
Die Saga von Egill Skallagrímsson in Kürze
Der erste Teil erzählt davon, wie Skalla-Grímur mit seinen Männern aus Norwegen fliehen muss, weil er sich Harald Schönhaar, der damals seine Macht auf ganz Norwegen ausdehnt, nicht unterwerfen will. Er ist einer der Siedler, die die unbewohnte Insel Island in Besitz nehmen, und lässt sich im Borgarfjörður-Gebiet nieder. Außerdem wird von Egills wilden Kinder- und Jugendjahren in Borgarfjörður erzählt, von seinem unbeherrschten, ungezügelten Verhalten, aber auch von seinen reichen Begabungen.
Der Mittelteil der Geschichte handelt von den Wikingerfahrten, die Egill mit seinem Bruder, Þórólfur, unternimmt und davon, wie die beiden in ganz Nordeuropa kämpfen. Beide lieben dieselbe Frau, Ásgerður, die Ziehschwester der beiden. Schließlich heiratet sie Þórólfur. Später, nach Þórólfurs Tod in einer Schlacht in England, heiratet sie Egill. Insgesamt reist Egill viermal ins Ausland. All seine Reisen verlaufen sehr abenteuerlich, allein wegen seiner wechselhaften Beziehungen zu den Königen von Norwegen. Die Geschichte erreicht ihren Höhepunkt, wenn vom Kampf Egils mit dem norwegischen König Eiríkur Blutaxt und dessen Frau, der Königsmutter Gunnhildur, erzählt wird.
Der letzte Teil der Saga handelt von den letzten Jahren des Helden, dem Schicksal seiner Nachkommen, den Streitigkeiten seines Sohnes Þorsteinn mit einem Nachbarn, Steinar Önundarson von Ánabrekka, und Egills Lebensabend bei seiner Pflegetochter Þórdís in Mosfell. Egill hing sein ganzes Leben lang dem germanischen Glauben an. Erst zehn Jahre nach seinem Tod im Jahre 1000 wurde in Island das Christentum angenommen.
Die Egill-Saga ist die Familiengeschichte des Siedlergeschlechts von Borg, einem Hof bei Borgarnes. Sie umspannt 150 Jahre, etwa die Zeit von 840 bis 990 und erzählt von vier Generationen einer Familie, beginnend mit Kveld-Úlfur („Abend-Wolf“) über seinen Sohn Skalla-Grímur und seinem Enkel Egill bis zu seinem Urenkel Þorsteinn Egilsson, wobei die Hauptperson der Geschichte Egill Skalla-Grímsson ist. Er war und ist eine der bemerkenswertesten und bekanntesten Persönlichkeiten der Sagazeit in Island und Nordeuropa.

1. Granastaðir
( An der Ringstraße 1, Mitte Borgarnes )
Beginnen Sie hier damit, den Spuren der Egill-Saga zu folgen.
Grani, der an diesem Ort gelebt hat, war einer von den zwölf Männern, die Skalla-Grímur von Norwegen nach Ísland begleitet haben. Skalla-Grímur schenkte Grani ein Stück Land auf der Halbinsel Digranes, die jetzt Borgarnes heißt. Wenn man von hier aus nach Norden blickt, sieht man Borg an Mýrar. Hier stand der Hof von Egills Vater Skalla-Grímur Kveldúlfsson. Seit Jahrhunderten ist hier auch ein Kirchplatz.
Egill ist in Borg geboren und aufgewachsen. Hier in Granastaðir wuchs Þórður Granason, ein Spielgefährte von Egill, auf. Als Egill zwölf und Þórður Granason zwanzig Jahre alt waren, fand in der Sandvík, die im Süden, auf der anderen Seite der Halbinsel Borgarnes liegt, ein Fußballspiel statt. Skalla-Grímur hatte viel Spaß am Fußball und kämpfte alleine gegen Egill und Þórður Granason. Als diese jedoch das Spiel gewonnen hatten, schmetterte Skalla-Grímur Þórður so fest zu Boden, dass dieser starb. Danach packte er Egill. Da griff Þorgerður Brák ein, eine Sklavin von Skalla-Grímur und die Amme Egills. Brák sagte zu Skalla-Grímur: „Was misshandelst du deinen Sohn, Skalla-Grímur?“. Darauf ließ Skalla-Grímur Egill los und ging auf sie los. Sie rannte davon, aber Skalla-Grímur folgte ihr (40. Kapitel).
Beim 2. Steinmal in Brákarsund geht die Geschichte weiter.
2. Brákarsund
( An der Westspitze von Borgarnes, bei der Brücke )
Hier hat Brák, die erste Heldin der Saga, ihr Leben gelassen. Darüber wird in der Egill-Saga Folgendes erzählt: „Darauf ließ Skalla-Grímur Egill los und ging auf sie los. Sie rannte davon, aber Skalla-Grímur folgte ihr. Sie rannten bis ans Ende der Halbinsel. Dort sprang sie von den Klippen und schwamm davon. Skalla-Grímur schleuderte ihr einen großen Felsbrocken hinterher und traf sie zwischen den Schultern. Danach waren beide [Brák und der Felsbrocken] nie mehr zu sehen. Die Bucht wird seither Brákarsund genannt.“ (40. Kapitel) Die Insel in der Bucht heißt nach ihr Brákarey (Brákarinsel). Diese Tat rächte Egill, indem er noch am selben Abend den liebsten Knecht seines Vaters erschlug.
Wie fast alle Sklaven, die nach Island verschleppt wurden, war Brák vermutlich Irin, obwohl der Name Þorgerður ein nordischer ist. Neueste Genuntersuchungen haben ergeben, dass ca. 70 % der Siedlerfrauen von irischen oder keltischen Familien abstammen.
3. Skalla-Grímshaugur - Grabhügel des Skalla-Grímur
(Im Skalla-Gríms-Park, in der Stadtmitte von Borgarnes)
Bevor Sie nach Borg weiterfahren, sollten Sie im Skalla-Grímspark vorbeischauen.
Erst seit dem Christentum kennt man das Wort „Beerdigung“, in heidnischer Zeit sprach man, wörtlich übersetzt, von der „Einhügelung“. An dieser Stelle in Borgarnes hat Egill seinen Vater, Skalla-Grímur, „eingehügelt“. Skalla-Grímur starb zu Hause auf seinem Hof Borg - eigentlich eine Schande für einen Wikinger, da er im Kampf sterben sollte. (60. Kapitel). Sein Sohn Egill ließ ein Loch durch die Hauswand schlagen, durch das sein verstorbener Vater aus dem Haus getragen wurde. So konnte er verhindern, dass der Tote als Geist zurückkehrt. Die Menschen glaubten, wenn Tote durch eine Tür aus dem Haus getragen würden, könnten sie als Gespenster wieder hineinfinden. Egill ließ auch das Pferd von Skalla-Grímur sowie Waffen und Werkzeuge im Hügel eingraben. Als Egill später seinen Sohn Böðvar verlor, ließ er den Hügel öffnen und ihn an die Seite seines Großvaters legen (80. Kapitel). Über den Tod seiner beiden Söhne, die er auf tragische Weise verlor, hat Egill später sein berühmtestes Gedicht geschrieben, „ Sonartorrek“ (Die Trauer um die Söhne).
4. Borg an Mýrar
( Kirche und Siedlerhof an der Straße Nr.54 )
An dieser Stelle baute Skalla-Grímur nach den Anweisungen seines Vaters Kveld-Úlfur seinen Hof. Hier steht das vierte Steinmal auf einer Felsenformation hinter der Kirche und dem heutigen Hof Borg. Westlich der Kirche führt ein Pfad zum Felsen hin. Von dieser Felsformation, die an eine Burg (isl. Borg) erinnert, bekam nicht nur der Hof seinen Namen, sondern später auch die Halbinsel und der Fjord Borgarfjörður, der auch dem Bezirk Mýrar-og Borgarfjördarsýsla (Mooren- und Burgfjordbezirk), seinen Namen gibt.
Hier ist Egill Skalla-Grímsson geboren. Kveld-Úlfur und sein Sohn Skalla-Grímur waren, ein jeder auf seinem Schiff, von Norwegen nach Island gesegelt, um sich dort anzusiedeln. Kveld-Úlfur, der schon hochbetagt war, starb auf der Fahrt vor Erschöpfung (27. Kapitel). Er hatte sich schon vorher einen Sarg bauen lassen, in den dann seine Leiche gelegt und der über Bord geworfen wurde. Kveld-Úlfur hatte vor seinem Tod angeordnet , dass sein Sohn sich an der Stelle, an der der Sarg an Land treiben würde, einen Hof bauen sollte. Und so geschah es. Der Sarg trieb unterhalb von Borg an Land.
Im 13. Jahrhundert lebte Snorri Sturluson, Dichter der Edda und vermutlich auch der Egill-Saga, in Borg an Mýrar.
5. Rauðanes
( Landstraße 54, dann Weg 532 bis zum Ende )
Hier baute Skalla-Grímur seine Werkstatt. Neben der Feldarbeit im Sommer war er nämlich im Winter als Handwerker tätig. In der Egill-Saga ist mehrmals die Rede davon, welch begabter Handwerker Skalla-Grímur war. Er gewann Eisen aus der sehr oxydreichen Moorerde und war ein geschickter Schmied. An der Küste, weit von Borg entfernt, ließ er eine Schmiede bauen, die Rauðanes heißt. (30.Kapitel) Skalla-Grímur fand dort keinen Stein, der hart und glatt genug war, um darauf glühenden Stahl zu schmieden. Deswegen ruderte er bis zu den Miðfjarðareyjar (Mittelfjordinseln) hinaus und tauchte dort nach einem großen Stein. Dieser Stein soll noch hier am Strand liegen. „Noch immer liegt der Stein da und man sieht, dass er von oben behauen ist. Er unterscheidet sich von den anderen Steinen, die dort liegen, und man erkennt, dass er im Meer gelegen hat. Heute brauchen wir vier Männer, um den Stein hochzuheben.“ (30. Kapitel)6. Ánabrekka
( Landstrasse 54, dann Weg nach links von Tungulæk )
Áni, der Siedler von Ánabrekka, war einer von Skalla-Grímurs Männern. Neun Männer sind namentlich in der Saga erwähnt, die mit Skalla-Grímur bei Harald Schönhaar vorsprachen, um zu protestieren, und die beim König in Ungnade fielen. Alle neun sind mit ihm nach Ísland geflüchtet und die Orte, an denen sie sich niederließen, sind nach ihnen benannt: Granastaðir nach Grani, Grímólfsstaðir nach Grímólfur, Krumshólar nach Þorbjörn Krumur, Beigaldi nach Þórður Beigaldi, Þursstaðir nach Þórir Þurs, Einbúabrekka nach Oddur Einbúi (Oddur der Einsiedler) und Grísatunga nach Grís Lausingi ( Grís derEhmals Sklave).Önundur Sjóni war Ánis Sohn, er lebte zur Zeit Egills in Ánabrekka. Steinar Önundarson, Ánis Enkel, gehörte zur dritten Generation in Ánabrekka und hatte den Hof übernommen, als Egills Frau starb und dieser sich bei seiner Pflegetochter in Mosfell zur Ruhe setzte. Danach übernahm Þorsteinn Egilsson den Hof von Borg. Steinar versuchte ständig, sich Teile des Landes, die in Þorsteinns Besitz waren, an sich zu reißen. (Kapitel 82-87) Schließlich tötete Þorsteinn zwei von Steinars Sklaven, Grana von Granahlíð und Þrándur, den er bei Þrándarleiði („ Þrándurs Grab”) erschlug . Diese Streitigkeiten um das Land hatten noch ein Nachspiel, das im letzten Teil der Egill-Saga ausführlich geschildert wird. Schließlich floh Steinar Önundarson nach Norden und ließ sich in Snæfellsströnd auf der Halbinsel Snæfellsnes nieder.
7. Álftanes
( Landstrasse 54, dann Weg 533, danach Weg 534 bis zum Ende )
Skalla-Grímur war ein tüchtiger Bauer. Er gründete neben Borg auf seinen Ländereien noch weitere Höfe in der näheren Umgebung. Álftanes war ein gutes Jagd- und Fischgebiet. Von hier aus wurden mit Ruderbooten Fische und Seehunde gejagt. Hier sammelten die Siedler die Eier der Meeresvögel und hier wurde Treibholz an Land gespült, das dem Schiffbau diente. Rund um Álftanes konnte sogar Wal gefangen werden. Alle Tiere waren zutraulich, weil sie die Menschen nicht kannten, und waren daher leicht zu erbeuten.Als Yngvar, der Vater von Skalla-Grímurs Frau Bera, nach Ísland kam, errichtete ihm Skalla-Grímur den Hof Álftanes. Als Egill drei Jahre alt war, wurde die Leute von Borg von Yngvar zu einem Fest nach Álftanes eingeladen (31. Kapitel). Egill durfte nicht mitgehen. Skalla-Grímur meinte, der Dreijährige sei auch „unbetrunken“ schon ungezogen genug und mehr wolle er nicht erdulden. Egill war wütend über dieses Verbot. Als die anderen zum Fest geritten waren, holte er sich ein Pferd von der Weide und folgte ihnen. Yngvar, sein Großvater, empfing ihn erfreut und voller Stolz. Während dieser Feier dichtete Egill seine ersten Verse.
8. Krumskelda
( Landstrasse 1, dann 530 Ferjubakkavegur, Richtung Krumshólar, auf halber Strecke )
Der Erzählung nach hielt Skalla-Grímur, wie auch sein Sohn Egill, sein Geld zusammen. Egill hatte es unterlassen, seinem Vater einen Silberschatz zu übergeben, den er ihm im Auftrag von Aðalsteinn, des Königs von England, hätte übergeben sollen. Skalla-Grímur erfuhr davon und war außer sich. Am Abend bevor er starb, war sein Sohn nicht zu Hause. Skalla-Grímur ließ ein Pferd satteln. „Als andere schliefen, ritt er los. Als er wegritt, hielt er zwischen seinen Knien einen großen Schrein, aber in seiner Achselhöhle verbarg er eine Kupferkanne.“ (60. Kapitel). Seitdem erzählt man, dass er den Schrein und die Kupferkanne unten in Krumskelda (Krums-Sumpf) versenkt und eine große Steinplatte darauf gelegt hat. Der Alte wollte nicht, dass sein Sohn das Silber, das er sein ganzes Leben über angehäuft hatte, findet.
Hier in Krumskelda gibt es einen tiefen Pfuhl im Sumpf, der Skalla-Grímpittur genannt wird. Er ist allerdings in der Egill-Saga nicht erwähnt. Die Einwohner von Mýrar behaupten jedoch, Skalla-Grímur habe sein Silber hier versenkt. Skalla-Grímspittur befindet sich ungefähr 700 Meter westlich des Steinmals.
9. Hvítarvellir
( Landstrasse 1, dann Weg 53, zur Hvítárbrücke, auf den Feldern südlich der Brücke )
In früheren Zeiten war hier im Sommer Markt. Hierher kamen die sogenannten Austmenn („Ostmänner“), norwegische Kaufleute, mit Segelschiffen. Sie schlugen Lager auf und trieben Handel mit den Isländern. Darüber wird in mehreren Islands-Sagas berichtet, außer in der Egill-Saga auch in der Þórður-Saga Hreða und der Heiðarvígs-Saga. Böðvar Egilsson, der Sohn Egills, war hier zusammen mit Egills Knechten, um auf dem Wasserweg Ware nach Borg zu bringen, als sein Boot bei „Hvítárós“, der Mündung der Hvítá, des größten Flusses in Borgarfjörður, unterging. Böðvar war damals ein Jüngling von ungefähr vierzehn Jahren. Egill trauerte sehr um seinen Sohn und sein berühmtestes Gedicht, Sonatorrek, schrieb er anläßlich dieser Tragödie (80. Kapitel).
Schon lange zuvor hatte Egill, im Alter von nur sieben Jahren, genau hier zum ersten Mal einen Menschen umgebracht. Zu dieser Zeit wurde im Winter in Hvítárvellir Fußball gespielt. Egill hatte im Spiel gegen den elfjährigen Grímur Heggsson verloren. Þórður Granason, der damals fünfzehn Jahre alt war, gab Egill eine Axt. Egill schlug Grímur die Axt so heftig auf den Kopf, „dass er ihn ins Gehirn traf“ (40. Kapitel). Wie haben wohl die Eltern des Sagahelden reagiert? Nun, Skalla-Grímur war diese Tat völlig gleichgültig, aber Bera, Egils Mutter, meinte, Egill werde bestimmt ein guter Wikinger und wenn er alt genug sei, solle er ein Kriegsschiff bekommen. Egill hat dann dieses Gedicht geschrieben:
So sprach meine Mutter
Mir soll gekauft werden
Ein Schiff und schöne Ruder
Mit Wikingern segeln
Oben am Ruder stehen
Ein wertvolles Schiff steuern
An Land gehen
Einen Mann nach dem anderen erschlagen






